George Watsky – Wie man es vermasselt

Der als Spoken-Word-Poet und Musiker bekannte Künstler George Watsky hat ein weiteres, wortgewaltiges Werk vollbracht: In dem 333 Seiten starken Erzählband Wie man es vermasselt geht er unter die Autoren und teilt 13 kurze Anekdoten aus seinem Leben mit dem Leser. Er nimmt ihn dabei mit zu den Höhepunkten und Abgründen seiner Biographie.

von Lara Ehlis

Ein Buch mit der Erzählung zu beginnen, wie man aus Langeweile und um einer fast 100 Jahre alten Dame einen Gefallen zu tun einen Narwal-Stoßzahn von Kanada in die USA schmuggelt, scheint etwas abwegig zu sein. Es steht jedoch ganz im Gegenteil exemplarisch für die verrückten und oftmals witzigen Episoden aus Watskys Leben, die in seinem Debüt zu lesen sind. So wird aus der detaillierten Beschreibung der hollywood-eigenen, komplizierten Choreographie eines Castings ein unterhaltsames Schauspiel. Auch die Erfahrungen des WG-Lebens, die eine entlaufene Python, BDSM-Keller, verschimmelte Kühlschrank-Inhalte und ausufernde Noise-Parties mit einschließen, lassen den Leser vergnügt ob ihrer Absurdität den Kopf schütteln.

„Bei kreativen Prozessen ist es ja normal, dass man erst mal ein paar schlechte Ideen verwerfen muss, bevor man dann eine richtig gute hat.“

Dass Watskys Welt nicht nur aus eitel Sonnenschein besteht wird deutlich, indem er über seine Misserfolge und Rückschritte berichtet. Seine eigene beharrliche Mittelmäßigkeit zeigt er schonungslos auf, wenn er über seine „aktive Karriere als Bankdrücker“ im Baseball und seiner großen Verbundenheit zu diesem Sport erzählt. Rückblickende Betrachtungen von epileptischen Anfällen und Panikattacken, und damit Demonstrationen seiner eigenen Machtlosigkeit, lassen den Autor ernstere Töne anschlagen. Immer wieder beschäftigt er sich auch mit seinem künstlerischem Werdegang, den erlebten Fehlschlägen, den abschreckenden Beispielen der Vergänglichkeit von Ruhm und der Problematik der konstanten Veränderung von Popkultur.

„Diese Anspannung gehört zu mir seit ich denken kann – eine gewisse Unruhe, eine Rastlosigkeit, das Gefühl, dass ich alles auf einmal erledigen muss und mir die Zeit davonläuft. Die Anfälle kommen, wenn ich die Dinge erzwingen will, wenn ich vergesse durchzuatmen, zu entspannen und das Leben mal kurz seinen Gang gehen zu lassen.“

Wem Watsky aus seinen anderen Wirkungsbereichen bekannt ist, der wird sich nicht wundern, dass sich der Sprachstil nahe am Gesprochenen orientiert. Ein erstes Stolpern über thematische Sprünge innerhalb der einzelnen Erzählungen verflüchtigt sich schnell, wenn diese sich – oft auf absurde Art – zu einem großen Ganzen zusammenfügen und gegenseitig abrunden. Es gelingt ihm sogar die Verbindung zweier Anekdoten über verquere Liebschaften im Flugzeug mit Fischfang in Alaska zu schaffen.

„Ich war auf der Suche und hätte mir liebend gern ein paar Antworten gekauft.“

Durch das erzählte Wechselspiel von Erfolg und Niederlage bietet der 31-jährige Autor nicht nur für gleichaltrige Leser eine Identifikationsfläche. Seine Erlebnisse und deren literarische Bearbeitung plump als symptomatisch für die Millenial-Generation abzutun würde dem Erzählband jedoch Unrecht tun, denn in ihm steckt viel persönliches Gefühl, das über die stereotype Zusammenfassung generationsspezifischer Charakteristiken hinausgeht. Letztendlich könnte es sogar als ein Plädoyer dafür gelesen werden, dass Misserfolge zum Leben dazu gehören und manchmal rückblickend die interessantesten Geschichten bieten.

 

„Wie man es vermasselt“ ist im Diogenes-Verlag gedruckt und als Hörbuch, gelesen von Robert Stadlober, erschienen. Der Diogenes-Verlag hat Auf der Höhe freundlicherweise ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

 

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